
Es ist Dezember 2025. Während sich die Bürger:innen auf Weihnachten vorbereiten, hat die Gemeinde Karlskron beschlossen, ihr digitales Zuhause kernsanieren zu lassen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Modern, aufgeräumt, schick. Die neue Webseite Karlskron.de1externer Link, Gemeinde Karlskron: Wenigstens die Startseite lässt sich aufrufen ist, wie eine Filmkulisse: Außen top und hinten ein paar Stützen, damit nicht alles in sich zusammenfällt.
Der digitale Kahlschlag
Wer in den letzten Jahren – so wie ich auf Karlskron-Politik.info – fleißig auf Bekanntmachungen, Protokolle oder Flächennutzungs- und Bebauungspläne der Gemeinde verlinkt hat, erlebt derzeit sein blaues Wunder. Statt Informationen gibt es Fehlermeldungen. Die Gemeinde hat den Relaunch genutzt, um konsequent alle Brücken zur Vergangenheit abzubrechen.
Technisch spricht man von fehlenden „301-Weiterleitungen“. Auf gut Deutsch: Die Gemeinde ist umgezogen, hat aber dem Postboten nicht Bescheid gesagt und die Klingelschilder abmontiert. Das Ergebnis ist ein digitales Niemandsland. Nahezu jeder Link, der vor Dezember 2025 gesetzt wurde, führt nun ins Leere. Für mich bedeutet das: 170 Artikel durchforsten. 15 Stunden durfte ich bereits mit der Korrektur von Links verbraten. Eine Sisyphusarbeit und leider offenbar von IT‑Leuten umgesetzt, die weniger Erfahrung haben als ich, der das hier als Hobby betreibt. Man möchte fast entnervt sagen „Einmal mit Profis“. Internetseiten umziehen ist wirklich komplizierter, als der Laie annehmen würde. Und wenigstens hat man das mit dem Zertifikat auf Anhieb hinbekommen, was beim letzten Mal über Jahre zu Fehlern führte.
„Computer sagt nein“
Aber nicht nur die Links sind tot. Wer es tatsächlich auf der neuen Seite schafft, ein Dokument herunterzuladen, fühlt sich schnell wie ein Hacker in einem schlechten 90er-Jahre-Film. Dateien tarnen sich mit falschen Dateiendungen. Normalmensch klickt und der Computer bietet hilfsbereit an, die Datei mit dem Editor zu öffnen, was zu einem schönen Salat aus kryptischen Zeichen führt. Nur wer den echten Dateityp kennt und weiß, wie man das korrigiert, kommt an die Infos. Transparenz sieht anders aus – das hier ist eher „Security by Obscurity“.
KI – Künstliche Irritation
Das Highlight der neuen Seite ist zweifellos der Chatbot auf der Startseite. Modernste Technik soll die Bürger:innen abholen. Und das tut sie auch. Nur lässt sie diese gleich wieder im Regen aussteigen. Fragt man den digitalen Helfer nach Informationen, liefert er diensteifrig Ergebnisse. Klickt man darauf? Richtig: Fehler 404 – Seite nicht gefunden.
Wenn selbst die eigene künstliche Intelligenz nicht mehr weiß, wo die Gemeinde ihre Daten versteckt hat, dann haben wir die nächste Stufe der Digitalisierung erreicht: Das sich selbst verwirrende Chaos.
![Startseitenbereich der Gemeinde Karlskron mit Text ‚Hallo Karlskron, ich suche…‘ und Platzhalter [wpdreams_ajaxsearchlite] vor Landschaftsaufnahme](https://www.karlskron-politik.info/wp-content/uploads/2025/12/wpdreams_ajaxsearchlite.jpg)
Wer nun entnervt aufgibt und statt der KI zur „normalen Suche“ wechseln möchte, bekommt die nächste Watschn: [wpdreams_ajaxsearchlite] Träum weiter! Es ist der Moment, in dem die schöne Fassade bröckelt und man die unfertigen Kabel aus der Wand hängen sieht.
Fazit: Außen hui, innen 404
Inhaltlich hat sich wenig geändert, optisch ist man im Jahr 2025 angekommen. Technisch jedoch hat man sich selbst ins Knie geschossen. Aus SEO-Sicht ist das Vorgehen ein Lehrbuchbeispiel für „Wie mache ich mich bei Google unsichtbar?“. Ohne Weiterleitungen verliert die Gemeinde ihr gesamtes Ranking, das sie sich über Jahre aufgebaut hat.
Für uns Bürger:innen bleibt die Erkenntnis: Die Gemeinde Karlskron ist zwar online, aber derzeit geistig abwesend. Ich bitte um Nachsicht für die noch toten Links auf meiner Seite. Ich arbeite schneller als die Gemeinde, aber ich bin auch nur ein Mensch und kein fehlerhafter Chatbot.
Einzelnachweise
- 1externer Link, Gemeinde Karlskron: Wenigstens die Startseite lässt sich aufrufen


