
Es gibt Zahlen, die eigentlich zum Innehalten mahnen sollten. Und es gibt die Realität am Flurweg bei Brautlach: der landwirtschaftliche Verbindungsweg von der Wiesenstraße zur Münchener Straße im Gewerbegebiet Brautlach. „Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single auf …“ Mag sein, aber: Alle 12 Minuten wird die Umgehungsstraße Brautlach genutzt!
Schwarz auf Weiß: Die Verkehrsmessung 2024
Die in der vergangenen Gemeinderatssitzung1interner Link, Öffentliche Gemeinderatssitzung vom 12. Januar 2026: Antrag von GRin Brüderle: Anfrage zum Flurweg (Fl.Nr. 525, Gemarkung Karlskron) von der Wiesenstraße zum Gewerbegebiet Brautlach, aufgerufen am 16.1.2026 bekannt gewordene Verkehrsmessung aus 2024 liefert nun schwarz auf weiß die Bestätigung für das, was Ortskundige schon lange als „Brautlacher Umgehungsstraße“ bezeichnen. Fast 3.000 Fahrzeuge nutzten den Weg in nur 33 Tagen. Statistisch rollt dort alle 12 Minuten ein Kraftfahrzeug durch das strikte Durchfahrtsverbot. Ein Phänomen, das besonders während des Berufsverkehrs unter der Woche seine Spitzenwerte erreicht.
Skizze im BayernAtlas, erstellt am 17.1.2026 – Direktlink (öffnet in neuem Fenster)Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Frequenz, sondern auch die Geschwindigkeit. Eine gemessene Spitze von 87 km/h nahe der Einmündung zur Wiesenstraße zeugt von einer auffallenden Eile. Wer die örtliche Situation kennt, weiß: Technisch zwingt die dortige 90-Grad-Kurve jedes Fahrzeug zu einer massiven Drosselung des Tempos beim Einbiegen in die Wiesenstraße. Eine ermittelte Durchschnittsgeschwindigkeit von 48 km/h im Messzeitraum drängt den Verdacht auf, dass es sich hier mehr um eine Hauptverkehrsader als um einen landwirtschaftlichen Nutzweg handelt.
Die Sichtweise der Behörden
… nicht ersichtlich, aufgrund welcher Grundlage die Benutzung dieser Straße durch ein landwirtschaftliches Gespann weniger gefährlich ist als durch einen Pkw.
aus der Stellungnahme der Polizei
Diese Sichtweise der Polizeiinspektion Schrobenhausen war so in der öffentlichen Gemeinderatssitzung verlesen. Da die Statistik noch keine relevanten Personenschäden ausweist, scheint die tägliche Realität von Spaziergängern, Radfahrenden und Berittenen, die sich den schmalen Teer-Pfad mit eiligem Durchgangsverkehr teilen, keine ausreichende Gefahrenlage darzustellen. Diese Argumentation ist bemerkenswert. Sie suggeriert, dass Verkehrsregeln situativ verhandelbar seien. Doch ein Durchfahrtsverbot ist kein unverbindlicher Handlungsvorschlag.
Werden 30er-Geschwindigkeitsbegrenzungen vor Schulen während der Ferien unwirksam, nur weil gerade kein Kind die Straße quert? Wohl kaum. Dass 86 % der gezählten Fahrzeuge auf dem Flurweg eine Länge über 6,90 Meter aufweisen, was in Kombination mit den gemessenen Geschwindigkeiten auf Lieferdienste im Zeitstress hindeutet, wird dabei zur bloßen Randnotiz in einer rein theoretischen Risikoabwägung der Ordnungshüter.
Was nicht passte, wurde passend gemacht
Ein Rückblick auf die politische Historie macht die Situation vollends kurios. Noch vor einigen Jahren standen Projekte wie die Verlängerung der Josephenburger Straße oder ein Radweg zwischen Karlskron und Mändlfeld weit oben auf der lokalen Agenda. 2019 wurden diese Ziele fallen gelassen wie eine „heiße Kartoffel“. Die Basis dafür war ein Verkehrsgutachten, dessen Logik schon damals hanebüchen wirkte: Man zählte den Verkehr an der Wiesenstraße/Riedelstraße und ignorierte den Flurweg mit der formalen Begründung, man dürfe dort ja gar nicht einfahren. Die kühne Theorie dahinter: Wo man nicht fahren darf, fährt auch niemand. Ein Konstrukt, das die Realität kurzerhand ignoriert.
Wie sehr dieses Gutachten mutmaßlich am grünen Tisch entstand, zeigt auch ein Blick auf den Zucheringer Weg. Diese Verbindung von der Kramerstraße in Mändlfeld direkt ins Gewerbegebiet Weiherfeld mit Möbelhaus, Supermarkt, Baumarkt, Fast Food, Gartenbedarf und Tankstellen wurde in der Analyse faktisch ignoriert. Basierend auf der bloßen Kategorie der Straße wurde der Verkehr dort als nahezu nicht existent angesetzt. Man deklarierte alles, was von der Riedelstraße in die Kramerstraße einbog, kurzerhand als reinen Anliegerverkehr. Ein methodischer Kunstgriff, der die tatsächliche Belastung der Anwohner durch den Durchgangsverkehr schlichtweg wegdefinierte.
Dass diese eklatanten Fehler des Verkehrsgutachtens damals im Gemeinderat weitgehend unkommentiert blieben, überrascht heute umso mehr. Besonders bezeichnend: Der aktuelle Anlass für den behandelten Sachverhalt wurde maßgeblich durch den Hinweis eines inzwischen privat agierenden, jedoch bestens ortskundigen ehemaligen Ratsmitglieds angestoßen. Als Betroffener kannte dieser die inoffizielle Umgehungsstraße bereits, als die alten Pläne beerdigt wurden. Damals blieb er zumindest in den öffentlichen Sitzungen still.
Die Sackgasse der Argumente
Heute, sechs Jahre später, steht die Gemeinde vor den Folgen dieser methodischen Blindheit. Der nun im Raum stehende Vorschlag, den bereits asphaltierten Flurweg baulich auf sechs Meter zu verbreitern, wirkt beinahe wie ein Schildbürgerstreich. Es wäre die nachträgliche Bestätigung dafür, dass man die tatsächlichen Verkehrsströme damals schlichtweg wegignoriert hat. Die Radwegdiskussion müsste konsequenterweise gleich mit aufgenommen werden.
Am Ende bleibt eine Sackgasse der Argumente. Wenn technische Experten die Kontrolle als unmöglich und Ordnungshüter den Handlungsbedarf als nicht gegeben ansehen, bleibt der Flurweg das, was er heute ist: Eine Umgehungsstraße, die laut Theorie gar nicht existieren dürfte.
Einzelnachweise
- 1interner Link, Öffentliche Gemeinderatssitzung vom 12. Januar 2026: Antrag von GRin Brüderle: Anfrage zum Flurweg (Fl.Nr. 525, Gemarkung Karlskron) von der Wiesenstraße zum Gewerbegebiet Brautlach, aufgerufen am 16.1.2026



Vielleicht wäre es hilfreich, die Gemeinderäte einmal nach Ortsteilen bzw. Wohnortansässigkeit aufzulisten. Dann wäre transparenter, wessen Interessen bei der Gemeinde tatsächlich vertreten werden.
Mändlfeld ist ein gutes Beispiel: keine Fahrradstraßen-Anbindung, kein durchgehender Fußweg zum Nachbarort. Und zusätzlich eine weitere Fahrverbotsstraße am Ende der Wirtstraße, auf der die Situation noch schlimmer ist. Anzeigen von Fußgängern wegen Nötigung durch durchfahrende Fahrzeuge scheinen dort regelmäßig unter den Tisch zu fallen.
Vielen Dank für deinen ausführlichen und kritischen Kommentar! Du sprichst Punkte an, die das Kernproblem der aktuellen Debatte treffen: Die gefühlte Vernachlässigung bestimmter Ortsteile und die Ohnmacht gegenüber dem illegalen Durchgangsverkehr.
Zu deinen Anregungen möchte ich gerne ein paar Aspekte aus meiner Sicht ergänzen:
Zur Besetzung des Gemeinderats
Die Frage nach der Herkunft der Ratsmitglieder ist legitim. Tatsächlich sind Bürger aus Mändlfeld im Gemeinderat vertreten. Interessanterweise zeigt die Wahlanalyse vergangener Kommunalwahlen jedoch, dass in Mändlfeld auffällig wenig Stimmen für „eigene“ Kandidaten aus dem Ortsteil abgegeben wurden. Das beeinflusst natürlich die direkte Repräsentation und du kannst das am 8. März 2026 beeinflussen.
Was mir jedoch wichtiger erscheint: Ein Gewinn für die gesamte Gemeinde entsteht meist dann, wenn Ratsmitglieder versuchen, das „große Ganze“ zu sehen, statt in Dorf-Rivalitäten zu verfallen. Ein gutes Beispiel ist die aktuelle Diskussion um den Brautlacher Flurweg: Den Anstoß gab ein Antrag von Gemeinderätin Brüderle aus Probfeld. Das zeigt, dass das Bewusstsein für die Probleme in Mändlfeld/Brautlach auch bei Ratsmitgliedern aus anderen Ortsteilen vorhanden ist. Ich persönlich sehe in diesem ortsteilübergreifenden Blick mehr Gewinn für uns alle.
Der Flurweg an der Wirtsstraße
Hier beschreibst du eine Situation, die der in Brautlach erschreckend ähnlich ist. Ein interessanter Aspekt dabei ist die Nutzergruppe: Während der Flurweg bei Brautlach massiv vom überregionalen Durchgangsverkehr genutzt wird, dürfte der Schleichweg an der Wirtsstraße mutmaßlich überwiegend von Mändlfeldern selbst befahren werden. Das macht die Sache zwar rechtlich nicht zulässiger, verleiht der Diskussion aber eine andere soziale Note.
Was die Kontrollen angeht: Nach dem Ortsschild endet die Gemeinde Karlskron und der Landkreis ND. Damit wechselt nicht nur die zuständige Kommune sondern auch die Polizeiinspektion (PI Schrobenhausen für Gemeindegebiet Karlskron, danach PI Ingolstadt). Beide Flurwege liegen am äußersten Rand der jeweiligen Zuständigkeitsgebiete. Als „untergeordnete Straßen“ landen sie in der Prioritätenliste der Behörden dann vermutlich weiter hinten.
Zu den Anzeigen und der Sicherheit
Dass Anzeigen wegen Nötigung „unter den Tisch fallen“, ist ein schwerwiegender Vorwurf. Mir persönlich ist allerdings niemand bekannt, der in diesem Zusammenhang tatsächlich Anzeige erstattet hat. Da mir keine konkreten Fälle bekannt sind, kann ich zur Erfolgsquote der Polizei keine gesicherte Aussage treffen. Die Frustration über eine geringe Ahndung ist absolut nachvollziehbar.
Mein persönliches Fazit
Ich teile deine Einschätzung vollkommen: Der unzulässige Verkehr an beiden Flurwegen ist definitiv zu viel. Auch ich habe bereits eigene Erfahrungen machen müssen, bei denen Fahrzeuge viel zu schnell und mit gefährlich geringem Abstand an mir vorbeigezogen sind. Es ist kein „Kavaliersdelikt“, sondern eine Gefährdung von Menschen, die diese Wege zur Erholung oder für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung nutzen.
Genau deshalb ist es wichtig, dass wir dieses Thema immer wieder öffentlich machen, statt die „Mathematik des Wegsehens“ einfach hinzunehmen.